Aok Muster 64

Darüber hinaus liefert unsere Studie Hinweise auf eine Zunahme der Prävalenz von T2DM bereits ab der frühen Pubertät und in relativ jungen Altersgruppen. Dies ist von besonderem Interesse aufgrund einer möglicherweise höheren Rate von Komplikationen im frühen Auftreten T2DM [43]. Der Anstieg und der zeitliche Verlauf der diagnosebasierten Prävalenz von T2DM sind vergleichbar mit aktuellen Studien im Raum Deutschland und der steile Anstieg mit zunehmendem Alter wurde auch in anderen Untersuchungen festgestellt [1, 24, 25]. Im Rentenalter litt mehr als ein Viertel der Bevölkerung unter T2DM. In früheren Studien wurden Indikationen für eine Abnahme der Prävalenz in den Altersgruppen über 80 oder 90 Jahren gefunden, ein Muster, das in unserer Studie nicht zu sehen war [44]. Allerdings konnten wir eine Abnahme der Inzidenz von T2DM in dieser Altersgruppe finden. Die konstant hohen Prävalenzen mit zunehmendem Alter trotz abnehmender Inzidenz können auf eine mögliche Verbesserung der medizinischen Versorgung dieser Patienten hindeuten. Da das Auftreten von T2DM früher im Leben zuzunehmen beginnt, unterstreichen diese Ergebnisse die Relevanz der Veränderung etablierter Lifestyle-Faktoren im frühen Alter, um die Entwicklung von T2DM in Zukunft positiv zu beeinflussen [45–48]. Wie in Abb. 5 dargestellt, wurden im Jahr 2010 erhebliche Unterschiede in der lebenszeitdiagnosebasierten Prävalenz von T2DM in den 44 verschiedenen Bezirken Südwestdeutschlands festgestellt. Nach Derstandardisierung der Restbevölkerung der Bezirke, zur Bestimmung der bezirksbedingten Krankheitslast und z.B. direkte regionale Bewertungen des Gesundheitsbedarfs lagen die diagnosebasierten Prävalenzen von T2DM zwischen 7,2 % (95 % CI: 7,1 -7.3) und 11,5 % (95 % CI: 11,4-11,6) (m: 7,4 % (95 % CI: 7,3-7,6) bis 11,5 % (95 % CI: 11,3-11,6); w: 7,0 % (95 % CI: 6,8-7,1) bis 11,5 % (95 % CI : 11.3-11.7)). Nach der Standardisierung der Daten über die Wohnbevölkerung Südwestdeutschlands (Abb.

5 b, d, und f), was einen direkten Vergleich der verschiedenen Bezirke unabhängig von Alter und Geschlechtsverteilung ermöglichte, lagen die diagnosebasierten Prävalenzen zwischen 7,6 % (95 % KI: 7,5-7 6) und bis zu 11,6 % (95 % CI: 11,58-11,62) (m: 7,9 % (95 % CI: 7,84-7,89) bis 11,6 % (95 % CI: 11,56-11,62); w: 7,2 % (95 % CI) : 7,23-7,27) bis zu 11,6 % (95 % CI: 11,59-11,64). Es wurde ein nicht offensichtliches Muster zwischen der Prävalenz und den städtischen oder ländlichen Merkmalen der Bezirke gefunden. Die diagnosebasierte Prävalenz mehrerer Bezirke änderte sich nach der Standardisierung der Daten über die Restpopulation Südwestdeutschlands in eine höhere sowie in eine niedrigere Prävalenzklasse (Abb. 5). T2DM ist in Südwestdeutschland weit verbreitet und nimmt zu. Insbesondere ein Viertel der Bevölkerung im höheren Alter wurde von T2DM heimgesucht. Interessanterweise wurde ein regionsspezifisches Muster sowie ein Anstieg der Zahlen in früheren Jahren beobachtet. Unsere Daten unterstreichen die Notwendigkeit von Diabetes-Sensibilisierungsprogrammen, einschließlich Frühdiagnosemaßnahmen sowie strukturierter und zeitnaher Gesundheitsumfragen für schwere Krankheiten wie T2DM und seine begleite Komorbiditäten.

Ziel dieser retrospektiven Kohortenstudie im Land Baden-Württemberg mit über 10 Millionen Einwohnern war es, Inzidenz-, Prävalenz- und zeitliche Trends über mehrere Jahre hinweg sowie regionale T2DM-Muster innerhalb der Schadendaten der Mitglieder der AOK Baden-Württemberg, einer großen Krankenkasse in Südwestdeutschland, zu untersuchen.

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