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Die Independent Flight Attendants Organisation (UFO) gab am vergangenen Freitag bekannt, dass sie sich mit der Lufthansa in einer Schlichtungsvereinbarung über 19.000 Flugbegleiter geeinigt hat. Angeführt wurde die Schlichtung vom ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthies Platzeck (SPD). Die Medien feierten, dass die Gefahr eines neuen Streiks in der Hauptferienzeit nun gemieden worden sei. Allein die Tatsache, dass SICH UFO mit dem Management in einer angespannten Situation geeinigt hat, in der Tausende von Lufthansa-Beschäftigten – ganz zu schweigen von den Beschäftigten in der Lieferkette – mit Stellenstreichungen, Outsourcing und Lohnkürzungen konfrontiert sind, wirft ein hartes Licht auf die Rolle der Gewerkschaft. Die Mitarbeiter der Tochtergesellschaften Lufthansa Systems, Lufthansa Service Catering, Lufthansa Technik Maintenance und Lufthansa Cargo Frachtservice profitieren von dem neuen Tarifvertrag, der bis Ende 2017 läuft. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Abkommen um kriegserklärungswirtige Flugbegleiter und alle anderen Flugbegleiter. In einem entscheidenden Moment hat UFO seine Mitglieder in den Rücken gestochen. Seit Wochen führt das Lufthansa-Management einen massiven Angriff auf die Rechte und Leistungen von Piloten, Flugbegleitern, Fluglotsen und Bodenpersonal. Matthias Platzeck war auch Schiedsrichter beim Lokführerstreik im vergangenen Jahr und sorgte dafür, dass die Gewerkschaft GDL einen fünfjährigen Stillhaltevertrag unterzeichnete, der bis 2020 in Kraft bleibt. Um die Aktionäre davon zu überzeugen, das Rettungspaket zu akzeptieren, braucht er alle im Unternehmen beteiligten Gewerkschaften, um die Kürzungen vor der Hauptversammlung zu genehmigen. Die Gewerkschaften versuchen, sich mit ihren Kürzungsvorschlägen gegenseitig zu übertreffen. Am vergangenen Mittwoch trafen sich UFO (Flugbegleiter), Verdi (Bodenpersonal) und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (Piloten) mit der Lufthansa-Geschäftsführung zu einem “Tarifgipfel” und diskutierten, wie ein “Überschuss von 26.000 Arbeitsplätzen” von der Gesamtbelegschaft von rund 138.000 Beschäftigten abgebaut werden könne.

Der Tarifvertrag läuft bis Ende 2017. Die Streitigkeiten der Fluggesellschaft mit Piloten und Flugbegleitern über Lohn- und Rentenleistungen sind jedoch noch nicht beigelegt. Dies hat in der jüngsten Vergangenheit zu zahlreichen Streiks geführt. Im September wurde berichtet, dass ein deutsches Arbeitsgericht die Lufthansa-Piloten angewiesen hatte, ihren Streik zu beenden, nachdem mehr als 140.000 Passagiere auf 1.000 Flügen betroffen waren. “Nach unseren aktuellen Annahmen über den Geschäftsverlauf in den nächsten drei Jahren haben wir keine Perspektive, allein bei der Lufthansa einen von sieben Piloten und einem von sechs Flugbegleitern sowie zahlreiche Bodenpersonal einzustellen. Diese Überkapazitäten könnten sogar noch zunehmen, wenn wir keinen Weg finden, die Krise mit wettbewerbsfähigen Personalkosten zu bewältigen. Deshalb wollen wir mit unseren Tarifpartnern schnell die dringend notwendigen Krisenvereinbarungen treffen. Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen während der krised möglichst vielen Kollegen an Bord bleiben und Entlassungen aus betrieblichen Gründen vermeiden. Um dies zu erreichen, müssen die Verhandlungen über die Krisenvereinbarungen mit einem gemeinsamen Erfolg abgeschlossen werden”, sagte Michael Niggemann, Vorstand Personal und Recht der Deutschen Lufthansa AG. Das bedeutet, dass die Lufthansa nun Tarifverträge mit allen großen Personalkonzernen in Deutschland hat, wodurch das Streikrisiko verringert wird. Flohr sagte dem Deutschlandfunk, stellen streichungen in dieser Größenordnung nicht überraschend, sie basierten auf verständlichen Berechnungen und könnten mit ihnen bearbeitet werden. Konkret hatte er einen Lohnstopp und eine Verlängerung des Tarifvertrags mindestens bis zum Jahresende sowie die Streichung verschiedener Lohnzuschläge angeboten.

Er dachte auch an die Umwandlung von Vollzeitjobs in Teilzeitoder flexible Altersvorsorgepläne. Die Kaltblütigkeit des Lufthansa-Vorstands ist schwer zu überbieten. Nach dem Zusammenbruch des Flugverkehrs im März und April drohte Lufthansa-Chef Karsten Spohr mit einer “freiwilligen Insolvenz”, sollte die Bundesregierung einem milliardenschweren Rettungspaket nicht zustimmen, ohne Einfluss auf den Geschäftsbetrieb zu nehmen.

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